Nicht nur „I Believe in Father Christmas“ – 25 Albumtipps mit weihnachtlicher Musik für Progger

Die Weihnachtszeit ist für Progger eine musikalische Herausforderung der besonderen Art: Gegen den unablässigen Schwall schleimiger, kitschiger Popmusik, die aus den Lautsprechern jedes Weihnachtsmarktes, jeder Weihnachtsfeier in der Firma und jedes Kaufhauses plärrt, hat der geneigte Prog-Fan nur wenig entgegen zu setzen. Sicher, es gibt „I Believe in Father Christmas“ von Greg Lake und, wenn man sich ein wenig auskennt „Run with Fox“ von Chris Squire & Alan White, aber sonst? Kann der „Freund anspruchsvoller Musik“ (Selbstbeschreibung eines Prog-Nerds) wirklich etwas gegen „Last Christmas“, „All I Want For Christmas“ und vor allem das unsägliche Weihnachtsalbum von Helene Fischer ausrichten? Man möchte schier verzweifeln, doch verzweifelt nicht: Rettung naht!

Hier sind die 25 relevantesten Weihnachtsalben für Progger, hübsch aufgelistet von „ganz und gar grauselig“ bis „muss man haben“.

Anmerkung des Autors: Diese Liste enthält „recyclte Texte“ aus früheren Artikeln dieser Art auf progrock-dt.de und about-music.de. Wem also einige Beschreibungen bekannt vorkommen, hat meine Blogs und Beiträge der letzten Jahre genau studiert. Danke!

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  1. Jon Anderson – 3 Ships (bei amazon.de | bei JPC.de)

    Was „In The Hot Seat“ und „Love Beach“ für viele Progger in puncto Progressive Rock sind (nämlich unglaublich schlechte Alben), ist Jon Andersons Soloalbum „3 Ships“ von 1985. Nun ist der Ex-Sänger von Yes bei seinen Solo-Alben eh nicht immer geschmackssicher, aber das Weihnachtsthema war wohl für den esoterisch begeisterungsfähigen Anderson ein Honigtopf, in den er gleich kopfüber gefallen ist. Kinderchöre und Plastik-Keyboards, aufgesetzte gute Laune dazu Texte auf Kindergarten-Niveau. Das Album ist so schlecht, dass es schon fast wieder gut ist. Aber eben nur fast. Da ist es schon erfreulich, dass „3 Ships“ eh out of print ist und bei Amazon zu Fantasiepreisen gehandelt wird. Und glaubt mir, das Machwerk ist das viele Geld nicht wert.
  2. The December People – Sounds like Christmas (bei amazon.de | bei JPC.de)
    Einer der Klassiker der letzten Jahre im Bereich „weihnachtlicher Progrock“ ist mit Sicherheit das Album „Sounds Like Christmas“ von den December People (hoho! Was für ein drolliger Bandname!) aus dem Jahre 2001. Hinter diesen People steckt niemand Geringeres als Robert Berry (Jack Foster III, Ex-Three) und einige illustre Gäste (u. a. John Wetton, Steve Walsh, Trent Gardner). Die Idee war schon gewitzt: Wenn man schon nicht alle Superhelden des Progs für ein Weihnachtsalbum gewinnen kann, dann kann man wenigstens Weihnachtsklassiker in deren Sound interpretieren. Mit den richtigen Sängern ist die Illusion zwar nicht wirklich wasserdicht pardon winterhart, aber mit etwas Glühwein und gutem Willen hört man dann wirklich Weihnachtliches von Bands wie Genesis, Yes, Pink Floyd, King Crimson, Kansas, Beatles oder Queen. In wie weit das Album dann über eine (unfreiwillige) Parodie hinausreicht, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Gehört haben sollte man das Album allerdings wirklich einmal.
  3. Tori Amos – Midwinter Graces (bei amazon.de | bei JPC.de)

    Tori Amos ist natürlich keine „Prog-Künstlerin“, ihr oft sehr kunstvoll gestalteter Pop genießt aber unter Prog-Fans hohes Ansehen. Ihr Album „Mitwinter Graces“ fällt leider in ihre wenig ergiebige Spätphase. Das ist schon ganz schön kitschig, schmalzig dick aufgetragen und vor allem ziemlich überproduziert. Das photogeshoppte Artwork ist leider ein guter Indikator, was den Hörer erwartet: Viel Unechtes, was oft nur der Abglanz früherer Großtaten ist. Ein paar Sachen funktionieren auf dem Album (etwa „Star of Wonder“ mit indischen Touch) andere sind nur unter Vorbehalt empfehlenswert.
  4. Chris Squire – Chris Squire’s Swiss Choir (bei amazon.de | bei JPC.de)

    Chris Squire, seines Zeichen der mittlerweile verstorbene Bassist von Yes, veröffentlichte 2007 ein Weihnachtsalbum, dass an die Squire/White-Weihnachtssingle von 1981 „Run with the Fox“ anzuknüpfen versucht. Mit prominenter Unterstützung, Steve Hackett spielt die Gitarre, Jeremy Stacey (jetzt King Crimson) spielt Schlagzeug, gelang ein zumindest stellenweise stimmiges, manchmal ein eben auch over-the-top-Weihnachtsalbum. Höhepunkt ist das abschließende „Run with the Fox“. Die CD ist derzeit out of print und wird auf Amazon und Ebay zu Fantasie-Preisen gehandelt.
  5. Loreena McKennitt – A Midwinter Night’s Dream (bei amazon.de | bei JPC.de)

    „A Midwinter Night’s Dream“ fasst fünf Titel der EP „A Winter Garden“ (von 1995) mit acht winterlich inspirierten Songs von 2008 zusammen. Das Ergebnis ist ein typisches, atmosphärisch dichtes Loreena-McKennitt-Album. Wer sich nicht an dem leicht esoterischem, verträumten Grundton des Albums stört, der erhält mit „A Midwinter Night’s Dream“ ein schön musiziertes Album mit einer Reihe ungewöhnlicher Weihnachtslieder.
  6. Sarah McLachlan – Wintersong (bei amazon.de | bei JPC.de)

    Sarah McLachlan verbindet auf „Wintersong“, dem wohl besten Album der kanadischen Singer-Songwriterin, ruhige, semi-akustische Arrangements mit traditionellen („What Child Is This?“, „Silent Night“) und modernen („I’ll Be Home For Christmas“, „River“) Weihnachtsliedern. Wer es ruhig und besinnlich und (wirklich) nur ein klitzekleines bisschen kitschig mag, der ist mit Sarah MacLachlans „Wintersong“ bestens bedient. Von allen „konventionellen“ Weihnachtsalben die ich kenne, ist dies das gelungenste.
  7. Cyndi Lauper – Merry Christmas … Have A Nice Life (bei amazon.de | bei JPC.de)

    Wer hätte das gedacht? Die kleine Nervensäge aus den Achtzigern kann nicht nur „Girls want to have fu-uuun“ krähen sondern richtig gut singen. Ihr Weihnachtsalbum „Merry Christmas … Have A Nice Life“ hat genau die richtige Mischung an Feierlichkeit und Ironie, die man sich von einem guten Weihnachtsalbum wünscht.
  8. Bette Midler – Cool Yule (bei amazon.de | bei JPC.de)

    Nicht immer ist das Artwork ein Indikator für die Ernsthaftigkeit oder die Qualität einer Produktion. Bette Midlers „Cool Yule“ kriegt die Auszeichnung für den dämlichsten Albumtitel und das hässlichste Artwork, dennoch überzeugt es mit einer rundum gelungenen Mischung aus melancholischen und ironischen Weihnachtssongs. Nummern wie „O Come, O Come, Emmanuel“ und die drollige Hawaii-Nummer „Mele Kalikimaka“ stehen exemplarisch für die Bandbreite dieses bemerkenswerten Albums. Bette Midler zeigt, dass sie eine der besten Sängerinnen der Szene ist.
  9. Holly Cole – Baby, It’s Cold Outside (bei amazon.de | bei JPC.de)

    Holly Coles jazziges, laszives Gesäusel ist ein Geheimtipp für alle, die sich die amerikanischen Jazz-Crooner-Klassiker von Sinatra & Co. in etwas zeitgemäßerem Sound wünschen. Holly Cole wurde mit ihrem leicht morbiden Charme als Tom-Waits-Interpretin mit dem Album „Temptations“ bekannt. In dieselbe Kerbe schlagen auch ihre Weihnachtsnummern.
  10. Aimee Mann – One More Drifter For the Snow (bei amazon.de | bei JPC.de)

    Viele amerikanische Singer-Songwriterinnen haben Weihnachtsalben aufgenommen (s. oben). Von all diesen Alben ist Aimee Manns „One More Drifter For The Snow“ das insgesamt beste. Ihre immer etwas belegte Stimme passt gut zur melancholischen, leise ironischen Grundstimmung ihres Albums. Gleichzeitig zeigt sie Humor („You’re A Mean One, Mr Grinch“). „One More Drifter For The Snow“ ist der urbane Soundtrack für eine Weihnachtsfeier von einsamen Herzen und Verlieren – kurzum: der perfekte Progger-Soundtrack.
  11. Crash Test Dummies – Jingle All the Way (bei amazon.de | bei JPC.de)

    Ironie mit Bass-Bariton: Die kanadischen Crash Test Dummies mit Frontmann Brad Roberts mit einer nicht ganz ernst gemeinten, dennoch hoch unterhaltsamen Weihnachtsscheibe. Erstaunlich dabei, wie abwechslungsreich die Band das hauptsächlich gecoverte Material bearbeitet hat.
  12. Low – Christmas EP (bei amazon.de | bei JPC.de)

    Für charmanten Indie-Pop sind Low aus Duluth, Minnesota (dem Geburtsort von Bob Dylan) bekannt. Ihre „Christmas EP“ erschien 1999 ursprünglich nur für die Fans und gelangte erst zehn Jahre später in den Handel. Mit seinem ruhigen Understatement ist das Album ein gutes Beispiel, wie heute in den USA mit Weihnachtsmusik umgegangen wird, wenn man einmal die verzuckerten Pfade der Hochglanz-Releases im Mainstream verlassen hat: „Back to the Roots“, ohne religiöse Botschaft, wohl aber mit einer familiären Intimität, als säße im Wohnzimmer der Band, mitten in der Weihnachtsfeier. Ein unterschätztes Kleinod.
  13. Bright Eyes – A Christmas Album (bei amazon.de | bei JPC.de)

    Apropos „unterschätzte Kleinode“: Das „Christmas Album“ von Bright Eyes erschien 2002 ursprünglich nur als kleine Limited Edition für eine Charity-Aktion; erst 2013 wurde es dann wiederveröffentlicht. Die New York Times nannte das Album seinerzeit „die traurigste, süßeste Weihnachtsaufnahme der ganzen Saison“. Das kann man eigentlich so stehen lassen.
  14. The Flaming Lips – Christmas on Mars (bei amazon.de | bei JPC.de)

    „Christmas on Mars“ von den Flaming Lips ist vermutlich das seltsamste Weihnachtsalbum, das ich kenne. Die Songtitel haben tatsächlich etwas zappaesques – „In Excelsior Vaginalistic“, „The Gleaming Armament of Marching Genitalia“ oder „Space Bible with Volume Lumps“ – die Musik ist leicht verstörende elektronische Musik und somit tatsächlich soooo weit vom späten Frank Zappa nicht mehr entfernt. Ein echter Schocker auf jeder Weihnachtsfeier.
  15. Trans-Siberian Orchestra – Christmas Eve and Other Stories (bei amazon.de | bei JPC.de)

    Metal plus Bombast plus Pathos plus Weihnachtsmann = Trans-Siberian Orchestra. Das herrlich überdrehte, schwülstige Debüt des TSO „Christmas Eve“ von 1998 bleibt unerreicht, die folgenden Alben des Projekts (quasi alle mit Weihnachtsbezug!) sind allerdings nur laue Aufgüsse der ersten Idee. Das TSO ist ein kommerziell überaus erfolgreiches Side-Projekt von Savatage-Mastermind Jon Oliva. Wer gerne mal in Metal-Gefilden wildert und eine Schwäche für „Rock-Opern, liegt hier genau richtig. Das Debüt ist als Einzel-Veröffentlichung derzeit out of print (und nur noch gebraucht erhältlich), es ist aber noch als Teil diverser Sammlungen und Sampler der Band erhältlich.
  16. The Reign of Kindo – Christmas EP (bei youtube.com)

    Joseph Secchiaroli von The Reign of Kindo hat ohne jeden Zweifel eine der besten Stimmen in der Prog-Szene. Die Weihnachts-EP seiner Band war zunächst nur als Download erhältlich, mittlerweile ist der nicht mehr zu kriegen. Stattdessen hat die Band einen Youtube-Stream zur Verfügung gestellt. Das kurze Album ist musikalisch überaus lohnenswert, wenn auch die Arrangements überraschend „konservativ“ und „unproggy“ ausgefallen sind.
  17. Tracey Thorn – Tinsel and Lights (bei amazon.de | bei JPC.de)

    Wer hätte gedacht, dass Tracey Thorn, bekannt als Sängerin des Drum-and-Bass-Duos „Everything But The Girl“ eines der schönsten Weihnachtsalben der letzten 40 Jahre veröffentlicht? Leise, bescheiden und melancholisch leuchtet Tracey in ihrer unnachahmlichen Art die traurige Seitenn der Weihnachtstage aus. Das ist zum Weinen schön, gleichzeitig rutscht es nie ins Triviale ab. So gelungen, dass man das Album unbedingt kennen sollte.
  18. Sufjan Stevens – Songs for Christmas I (Vol. 1 – 5) (bei amazon.de | bei JPC.de | bei bandcamp.com)

    Low-Fi-Folk und Weihnachten? Dilettantismus, Genialität, Andacht und Albernheiten, in der ersten 5-EP-Box zu Weihnachten von Indie-Herold Sufjan Stevens steckt alles drin, was man sich schon lange zu Weihnachten an Musik gewünscht hat. Dass dabei auch Ausschussware dabei ist, gehört wohl zum Konzept, dass sich eher an einer Weihnachtsfeier im privaten Kreise orientiert, als an einem herkömmlichen „Album“.
  19. Sufjan Stevens – Silver & Gold (Vol. 6 – 10) (bei amazon.de | bei JPC.de | bei bandcamp.com)

    Die zweite Weihnachts-EP-Box von Sufjan Stevens ist (ebenso) eine der quantitativ und qualitativ schönsten Weihnachtsveröffentlichungen der letzten Jahre, die das Konzept der ersten Sammlung einfach weiter führt. Das liebevoll gestaltete Artwork mit Karten und Bilder ist (wie auch schon bei der ersten Box) längst Kult. Mit „Justice Delivers Its Death“ beinhaltet die Sammlung einen der schönsten „neuen“ Weihnachtssongs der letzten 20 Jahre.
    Tipp: Wer nur die Musik braucht, kriegt die Downloads für schlappe 10$/Sammlung bei Bandcamp.
    Noch’n Tipp: Einen kostenlosen Sampler mit Highlights der zweiten Sammlung findet man in unserem musikalischen Adventskalender.
  20. Sting – If On A Winter’s Night (bei amazon.de | bei JPC.de)

    Stings „Winteralbum“ geht thematisch und musikalisch weit über normale Weihnachts-CDs hinaus. Von traditionellen englischen Weihnachtsliedern der Renaissance, über Eigenkompositionen bis hin zu einer sehr gelungenen Fassung des „Leiermann“ aus Schuberts „Winterreise“ spannt Gordon Sumner alias Sting einen weiten winterlichen Bogen. So unterschiedlich die Songs, so unterschiedlich die Arrangements: Folk, gediegener Pop, Ethno-Einflüsse (wundervoll der indische Chor auf „Christmas At Sea“), Jazz, dazu jede Menge Alte-Musik-Instrumente, alles sehr dezent und geschmackvoll arrangiert. Das Album ist unter Sting-Fans nicht unumstritten. Seine Ausflüge in die Klassik (oder vielmehr in die Welt jenseits von Pop und Rock) werden nicht von jedem goutiert. Ich persönlich finde dieses Album von 2009 seine beste Studioarbeit seit den „Ten Summoner’s Tales“ von 1993.
  21. Marillion – A Collection Of Recycled Gifts (CD auf marillion.com | Download bei bandcamp.com)

    Marillion haben regelmäßig für ihren Fanclub Weihnachtsmusik aufgenommen. Die Sachen gelangten allerdings nie in den kommerziellen Handel, wohl auch, weil nicht jeder Beitrag ganz ernst gemeint oder ganz nüchtern war. Die Highlights dieser Aufnahmen der letzten 20 Jahre (oder so) und einige Neuaufnahmen („Merry Xmas (War is over“, „Carol of the Bells“) findet man auf „A Collection Of Recycled Gifts“, das man immerhin auf der Band-Homepage als CD und bei Bandcamp als Download erwerben kann. Eindeutiger Star der Aufnahmen ist Steve Hogarth, der – zumindest bei den „ernsthaften Songs“ – ein ums andere Mal belegt, dass er eine der besten Stimmen im Progressive Rock besitzt.
  22. Jethro Tull – The Jethro Tull Christmas Album (bei amazon.de | bei JPC.de)

    Ian Anderson hatte sich auf den Alben seiner Band Jethro Tull immer wieder mit Weihnachten beschäftigt. 2003 fasste er alte und neue Weihnachtssongs zum „Jethro Tull Christmas Album“ zusammen. Das Album bietet beschwingte, weihnachtliche Songs, sowohl traditionelle Weihnachtslieder wie „God rest ye merry gentlemen“ als auch Eigenkompositionen wie „Birthday Card at Christmas“ und den Tull-Klassikern „A Christmas Song“ und „Another Christmas Song“, im folkigen Klanggewand mit viel Flöte und mehr als einem Augenzwinkern – wie immer bei Ian Anderson.
  23. Kate Bush – 50 Words for Snow (bei amazon.de | bei JPC.de)

    Mit „50 Words for Snow“ veröffentlichte Kate Bush 2011 kein Weihnachts-, wohl aber ein Winter-Album (ähnlich wie Sting und Tori Amos, s. oben). Noch einmal zog die englische Sängerin und Multi-Instrumentalistin alle Register ihres Könnens, sowohl kompositorisch, als auch gesanglich. Selbst beim Duett mit Elton John (letzterer mit unüberhörbar angegriffener, brüchiger Stimme) gelingt die Gratwanderung zwischen ergreifender und gefühlvoller Ballade und rührseligem Kitsch. Der Höhepunkt des Albums ist dann das Titelstück mit Stephen Fry und den 50 (erfundenen) Worten für Schnee.
  24. California Guitar Trio – A Christmas Album (bei amazon.de | bei JPC.de)

    Das California Guitar Trio präsentiert auf „A Christmas Album“ eine Sammlung zehn unterschiedlichster Weihnachtskompositionen, von Klassikern wie „Oh Tannenbaum“ oder dem Traditional „Greensleeves“ über Kompositionen von Bach und Händel bis hin zu Kompositionen von Ryuichi Sakamoto („Merry Christmas Mr. Lawrence“) und John Lennon („Happy X-Mas (War is Over)“). Dabei begegnen die drei virtuosen Gitarristen den Kompositionen mit Respekt, Humor, Ironie und Liebe zum Detail. Das Ergebnis ist herrlich kitschfrei und dennoch ganz und gar festlich.
  25. Bugge Wesseltoft – It’s Snowing on my Piano (bei amazon.de | bei JPC.de)

    Das beste Weihnachtsalbum für Progger hat mit „Progressive Rock“ herzlich wenig zu tun. Bugge Wesseltoft, norwegischer Jazzmusiker der Extraklasse und üblicherweise dem modernisierenden Teil der Jazz-Szene zugehörig, hat 1997 eher zufällig ein stilles Weihnachtsalbum eingespielt, das eigentlich gar nicht zur Veröffentlichung, sondern nur „für den Hausgebrauch“ bestimmt war. Wesseltoft reduzierte klassische Weihnachtssongs und einige neue Improvisationen auf „It’s Snowing on My Piano“ auf zurückhaltende, sehr ruhige und besinnliche Klavier-Variationen. Ihm gelingt es dabei, selbst die trivialsten und abgenutzesten Weihnachtsmelodien neu aufzuschlüsseln und sie quasi neu zu erfinden.

Und hier noch einmal alle 25 Empfehlungen als Collage. Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken.

4 Gedanken zu „Nicht nur „I Believe in Father Christmas“ – 25 Albumtipps mit weihnachtlicher Musik für Progger“

  1. Irgendwie vermisse ich DIE Weihnachtsplatte schlechthin:
    Merry Christmas From the Morse Family…

    Ansonsten echt gut. Hat echt Freude gemacht, dass zu lesen! Wusste gar nicht, dass es so viele Platten zu dem Thema gibt (natürlich abgesehen von den üblichen Wühltisch-Alben).

    Schöne Weihnachten!

    1. Die habe ich sogar mal besessen, aber irgendwie ist das ja auch so ein Spaßprojekt, weder proggy noch besonders gelungen. Für die Liste fehlt mir dann sowohl der „Ürgsel-Faktor“ (wie bei den „3 Ships“ oder „Sounds like Christmas“) als auch der „Wow-Effekt“ wie bei den vorne platzierten Titeln.

      Es gibt eine noch längere Liste von mir zum Thema, allerdings nicht nur mit dem Otto Normalprogger als imaginäre Zielgruppe, vielleicht magst Du ja mal in meinem privaten Blog vorbeigucken (die Morse-Family fehlt allerdings auch da) 😉 Ein paar Texte sind identisch (oder nahezu), andere kommen hier nicht vor.

      Frohe Weihnachten!

  2. Na nu? Man mag ja von der Musik halten was man will. Aber EIN Album gehört auf jeden Fall mit in diese Liste: „Keith Emerson – The Christmas Album“! Oder ist der arme Keith schon so verstorben, daß man sich nicht mehr an ihn erinnern mag?

    Die erste Auflage erschien 1988, eine zweite, leicht erweiterte und mit einem neuen Cover versehene Auflage gab’s 1999.

    Die wird – mindestestens einmal im Jahr – zur Bespaßung der Nachbarn richtig schön laut aufgedreht.

    Trotzdem frohe Festtage!

    1. Stimmt, die habe ich vor Urzeiten sogar mal gehört. Ist halt ein bisschen wie alle Keith-Emerson-Alben sehr speziell. Aber zumindest hier sollte man sie noch mal erwähnen. Stimmt. Das sei hiermit geschehen.

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