2017 in music, die Favoriten der Redaktion: Arnes Jahresliste

Schon ist es rum, das Jahr 2017, welches zumindest bei mir gefühlt grade erst so richtig begonnen hatte. Die meisten Jahreslisten sind bereits geschrieben worden und so habe ich mit Erstaunen von einigen gelesen, dass dieses Jahr gar keine herausragenden musikalischen Neuerscheinungen zu bieten hatte. Das habe ich ganz anders empfunden und meine Entdeckungen des Jahres hier niedergeschrieben:

Meine TOP 5

1. Barrows – Obsidion

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Treibende Rhythmen und Riffs, die streckenweise gar an Surfrock erinnern, nehmen musikalisch Anlauf zu einem grandiosen Instrumentalrock-Album, dessen Faszination für mich darin besteht, eine durchgängig nachvollziehbare Geschichte zu erzählen, in die ich bei jedem Hördurchgang tiefer eintauchen konnte. Was manch anderes Album nicht mit Worten schafft, dieses schafft es alleine mit Instrumenten, Melodien, Soundscapes und grandioser Perkussion. Und deshalb ist dieses Album mein Liebstes in diesem Jahr.

2. Soup – Remedies

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Nicht minder ergreifend und nur knapp auf Platz 2 landet das mittlerweile sechste Studioalbum der Norweger Soup. Mit nur wenigen Worten zeichnen sie ein düsteres Bild von Verlust, Versagen und Bedauern. Die vagen Textzeilen lassen nur erahnen, welches Drama sich hinter ihnen verbirgt, aber immerhin kann man sie jetzt auch auf der Webseite der Band nachlesen:Remedies – Lyrics. Die dichte Atmosphäre dieses Albums hat mich oft und immer wieder gepackt und so tief berührt, dass ich manches mal das Abspielen beim in der Mitte des Albums einsetzenden Orgelspiel unterbrechen musste.

3. King Gizzard & The Lizard Wizard – Polygondwanaland

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Die Eidechsenkönige könnten eine ganze Jahresliste für sich alleine beanspruchen, denn wo andere Bands für ein gutes Album auch mal fünf Jahre brauchen, da hauen die Australier mal eben mit Ankündigung fünf Studioalben in einem Jahr raus. Und allen „Da kommt jetzt Masse statt Klasse“-Befürchtungen zum trotz sind es allesamt bemerkenswerte Alben, die mit eigenständigen Konzepten jedes für sich stehen. Da wird auf dem einen Album die mikrotonale Klangwelt erforscht, was vielleicht in erster Linie Musiknerds erfreut. Dann wird ein Über-Konzeptalbum konzipiert um anschließend zusammen mit dem Mild High Club in jazzigen Gefilden zu wildern.

„Polygondwanaland“ ist das vierte Album des Jahres und für mich das schlüssigste, eingängigste und schlichtweg Schönste von allen. Gleich der Opener „Crumbling Castle“ haut so sehr vom Hocker, dass ich mich kaum satthören kann und stellt musikalische Ideen in den Raum, die von den nachfolgenden Stücken auf das wunderbarste aufgenommen und durch das Album getragen werden.

4. Adrift for Days – A Sleepless Grey

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Das Album nihsahshsaH der Australier um den Labeleigner und Musiker Lachlan R. Dale gehörte mit seinen orientalischen Einflüssen und markantem Gitarrenspiel zu meinen Favoriten des letzten Jahres. Der Geist dieses Albums wohnt auch deutlich hörbar dem Album A Sleepless Grey inne, in dem Dale als Gitarrist aufspielt. Zusammen mit den Einflüssen der übrigen Bandmitglieder wurde hier ein grandios eigenständig klingendes Psychedelic-Doom-Metal Werk geschaffen, dem ich auch die oft geschrien vorgetragenen Vocals verzeihen kann.

5. Mammal Hands – Shadow Work

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Ein recht klassisches Jazz-Trio rundet meine TOP 5 ab. „Fesselnd, ätherisch und majestätisch.“ – so leitet das Label die Albumbeschreibung auf der Bandcampseite ein und genau so fühlt sich auch das gesamte Album an. Wunderschöne Musik zum Abschweifen und Fallenlassen.

…und all die anderen fantastischen Sachen…

Wollte man das Jahr 2017 musikalisch in Worte fassen, so leistet das die Band Gnod schon mit dem Albumtitel:
Gnod – JUST SAY NO TO THE PSYCHO RIGHT​-​WING CAPITALIST FASCIST INDUSTRIAL DEATH MACHINE. Knallharte und punkig-knorzig vorgetragene Systemkritik zu beinah tanzbaren Beats. Ein Album so verquer und wild wie das (politische) Jahr 2017. Und wenn das noch nicht reicht, lässt sich noch eine Schippe an punkiger Härte drauflegen, das ganze mit Saxofon anreichern und raus kommt ein Album wie IDYLLS – The Barn.

So laut ging es in meiner Playlist aber natürlich meistens nicht zu. Stattdessen freute ich mich meist über einen hervorragenden Postrock-Jahrgang. Und dort war heuer wirklich alles dabei, was das geneigte Herz erfreut: Feine, zerbrechlich wirkende Celloklänge, wie auf der This Patch of Sky – These Small Spaces, oder apokalyptische Meisterwerke wie Godspeed You! Black Emperor – „Luciferian Towers“.

Auch der klassische, gitarrenfokussierte Postrock kam nicht zu kurz. Neben der lokalpatriotischen Überraschung MMTH – Paternoster wären für mich vielleicht das besonders ausgefeilte Album Do Make Say Think – Stubborn Persistent Illusions oder das wunderschön-atmosphärische Astralia – Solstice hervorzuheben.

Shoegazer-Musik erlebte 2017 ein kleines Comeback, zumindest nach meinem Gefühl. So kehrte das Urgestein Slowdive aus der Versenkung zurück und hat viele alte und neue Anhänger gefunden. Mein Album-Highlight auf diesem Gebiet sind dieses Jahr das melancholische Dye by the Sword – Bats, sowie das fantastische Debütalbum Palehorse/Palerider – Burial Songs.

Ein Favorit, der vermutlich ausschließlich auf meine eigene Playlist Einzug gefunden hat ( zumindest nach der Zahl der Unterstützer auf Bandcamp zu urteilen ) ist das Ambient-Crossover Werk Data 91 – For the Kids. Weitaus bekannter aber für mich eine Überraschung war Public Service Broadcasting – Every Valley (ohne Bandcamp-Link), die ich gar nicht kannte, aber Live auf einem MMTH Konzert sehen durfte, wo sie großartig waren. Das Album hat zwar einige Schwächen, gehört aber vermutlich wegen der Live-Erfahrung für mich zu den markanten Alben des Jahres. Richtig progressiv geht es bei PBS jedoch nicht zu, auch wenn sie es in „I believe in progress“ beschwören, aber es gab ja auch noch Alben wie glaston – Inhale / Exhale, das herrlichem, progressiven Instrumentalrock sehr eingängigen Ausdruck verleiht.

Psychedelische Klänge ertönen auf dem krautigen Vespero – Shum-Shir, wie immer bei Vespero mit herrlicher E-Violine. Systemkritischer Italo-Prog fand sich auf Tazebao – Opium Populi. Ich verstehe zwar kein Wort davon, aber es klingt toll! Weiters haben die Altmeister Motorpsycho mit „The Tower“ natürlich auch bei mir Einzug gefunden – aber die wurden andernorts ja schon ausreichend abgefeiert. Ein bisschen zu wenig Beachtung hat aber meiner Meinung nach das eigentümliche Kairon; IRSE! – Ruination gefunden, was vielleicht an dem manchmal schwer verdaulichen Falsett-Gesang der Finnen liegt. Wesentlich ohrenschmeichelnder ist da natürlich der Gesang Casey Crescenzos auf The Dear Hunter – All Is As All Should Be, der ersten Veröffentlichung der Band auf eigenem Label. Eine wunderbare Fortführung der Bandgeschichte nach dem überragendem Album „Act V: Hymns with the Devil in Confessional“. Wenig zu beanstanden gab es für mich auch am Gesang des Bent-Knee Gitarristen auf dem Folkrock-Album Ben Levin Group – People – ein Werk, das ich dem aktuellen Bent Knee Output gerne dem Vorzug gegeben habe. Den rockigeren Reigen der 2017er Alben vervollständigt hat für mich ausgerechnet ein Grunge-Album, nämlich Empty Minds – 3377.

Die Klarinettenklänge auf dem hypnotischen Perkussionsalbum Zeitgeber – Heteronomy schlagen die Brücke zum Jazz, von dem es auch in diesem Jahr so einiges an interessanten Neuen gab. Sehr oft lief das treibende Asylon Terra – Blind Man Running. In klassischer Trio-Besetzung, aber live und begleitet von einem Streicherquartett, spielte Trichotomy – Live with String Quartet groß auf. Gegenwartsjazz gab es auf Milton Man Gogh – Stress To Impress und vor allem sehr humorvoll und spielfreudig auf KUHN FU – KUHNSPIRACY. Und schließlich fand sich auch ein recht experimentelles Album auf meiner Playlist wieder, nämlich Nooumena – Controlled Freaks.

2017 war also für mich wieder einmal ein sehr schönes, spannendes und abwechslungsreiches Musikjahr. Und so bin ich sehr gespannt darauf, was das neue Jahr diesbezüglich zu bieten hat.

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