Zum Jubiläum: Markus Reuter veröffentlicht sein Solo-Debüt „Taster“ als Name-your-price-Download

Kinder, wie die Zeit vergeht: Es ist schon über 20 Jahre her, dass ich am 13. September 1997 im Wohnzimmer meines damaligen Buddies Peter W. saß und einem jungen Gitarristen namens Markus Reuter bei seinem Soundscapes-Wohnzimmerkonzert zuhörte. Peter hatte mich einige Tage zuvor eingeladen und obwohl ich Soundscapes (a.k.a. Frippertronics) selbstredend von Robert Fripp kannte, wusste ich vielleicht nicht wirklich, was da auf mich zukommt. Das Wohnzimmer war relativ klein und rund ein Dutzend Zuhörer saßen um Markus Reuter, der mit großer Konzentration seine Musik produzierte. Keiner sprach. Keiner klatschte. Man wagte kaum zu atmen. Die Musik riss mich mit, haute mich im unmittelbaren Erleben des Konzerts regelrecht um. Nach dem Konzert unterhielt ich mich mit Markus und fragte ihn, wann er denn nun Robert Fripp bei Crimso ersetzen würde. Ich prophezeite, dass er ein Star werden würde. Er lachte leise und freundlich. Er meinte, wir würden sicher beide Stars werden. Ich würde bereits so aussehen und so wirken. Haaaahaa…

Einer von uns beiden hatte aber dennoch Recht. Markus „ersetzte“ zwar Fripp nicht, aber er spielte statt Fripp beim Crimson ProjeKct und als Mitglied der Stick Men ist Markus zumindest unter den Proggern ein veritabler Star, auch wenn es bis zum großen kommerziellen Durchbruch (außerhalb der Prog-Szene) bisher noch nicht gereicht hat.

Die Aufnahmen jenes Wohnzimmerkonzerts mündeten in sein Solo-Debüt „Taster“. Das Album gibt es, anlässlich des (verspäteten) 20-jährigen Jubiläums derzeit als Name-your-price-Download ohne Mindestpreis, also auch kostenlos. Spenden sind allerdings (wie immer) willkommen. Übrigens hatte ich die Ehre, für einige der Stücke die Titel „erfinden“ zu können.

Der musikalische Adventskalender 2017 – Tag 13: Markus Reuter – Live in Morelia 2016 // Stick Men – Konnekted #progadvent2017

Der heutige Adventskalender-Beitrag ist eine Hommage an unseren verstorbenen Freund Thomas Kohlruß, der heute seinen 51. Geburtstag gefeiert hätte und ein wirklich großer Fan und wichtiger Förderer der Musik des Berliner Gitarristen Markus Reuter war. Thomas verfasste zahlreiche Rezensionen auf den Babyblauen Seiten zu seinem Œuvre. Das Adventskalender-Team ist sich sicher, dass dieses Double-Feature ganz nach dem Geschmack von Thomas gewesen wäre.

Markus Reuter ist einer der interessantesten und fleißigsten Persönlichkeiten der deutschen Musikszene: Er ist Komponist, Produzent, Gitarrist, Gitarrenbauer und erfolgreicher Solo-Künstler sowie Mitglied einer ganzen Reihe von Bands und stilistisch breit gefächerten Projekten, darunter befinden sich die Stick Men, Reuter/Mastelotto (a.k.a. TuNer), Nocturne Blue, das Crimson ProjeKct, seine „Stammband“ centrozoon usw.

Soundscapes sind ein essenzieller Bestandteil von Reuters künstlerischem Schaffen. Seine derzeit aktuellste Solo-Veröffentlichung, das Album „Live in Morelia 2016“, ist ein guter Einstieg in seine Klangwelt und die fast kinematographischen Klangskulpturen. Das Album ist nur noch bis zum Ende des Jahres kostenlos erhältlich, danach wird es als exklusiver Download lediglich für seine Subscriber verfügbar sein. Über eine Spende beim Download des Albums freut sich der Künstler aber gewiss dennoch auch jetzt schon.

Direktlink zum Album

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Die Stick Men sind das wohl bekannteste Projekt, in das Markus Reuter involviert ist. Ursprünglich von Tony Levin gegründet, mauserte sich das Trio in der Besetzung Levin/Reuter/Mastelotto zu einer der aufregendsten Bands im King-Crimson-Fahrwasser. Sie knüpfen an die große Tradition der Post-1970er-Inkarnationen der karmesinroten Band an, gleichzeitig entwickeln und modernisieren sie permanent ihren Sound. Kompositorisch haben die Stick Men heuer mehr zu bieten als die aktuelle King-Crimson-Besetzung.

„Konnekted“ ist eine Art „Best Of Rarities“-Album der Formation. Es enthält auch Auszüge ihrer sensationellen Konzerte mit dem aktuellen (und früheren) KC-Saxophonisten Mel Collins und dem ehemaligen KC-Violinisten David Cross. Auch hier freuen sich Band und Label bestimmt über eine Spende beim Download des eigentlich kostenlosen Albums.

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Der musikalische Adventskalender 2016 – #21: Marco Lucchi – Estate Eterna

Heute ist (endlich!) Wintersonnenwende, genau um 11:44 Uhr (Kölner Ortszeit) ist es so weit: Endlich werden die Tage wieder länger; gleichzeitig beginnt der kalendarische Winter. Was also könnte man am kürzesten Tag des Jahres, der am weitesten vom Sommeranfang entfernt ist, sich mehr wünschen, als einen endlosen Sommer?

„Estate Eterna“ (eben „endloser Sommer“) ist eine sechsteilige Musikcollage des italienischen Musikers Marco Lucchi. Lucchi schafft aus einem Sammelsurium elektronischer Instrumente, aber auch mit E-Violine, akustischer Gitarre, (prepariertem) Klavier, Melodica und einer Reihe von Software-Programmen und Plugins gewaltige Klanglangschaften, die sich irgendwo zwischen Ambient, elektronischer Musik, experimenteller Musik, Soundscapes und Neoclassical einordnen lassen. Bisweilen samplet er dafür kleine Sequenzen von Komponisten wie A. Pärt, M. Monk, T. Riley usw.

Marco Lucchi liebt das Mellotron, zählt Arvo Pärt und Florian Fricke (von Popol Vuh) als seine musikalischen Vorbilder und veröffentlicht seit Anfang der 2000er auf einer ganzen Reihe von Plattformen (das Netlabel Webbed Hand, Bandcamp, Soundcloud, Archive.org etc.) seine meist kostenlose Musik. Lucchis Arbeiten gehören zu den interessantesten elektronischen Œuvres, die ich bei meinen Erkundungstouren durch die „freien Musik-Szene“ (aka. CC-Musik) entdecken durfte.

„Estate Eterna“ fast eine Reihe von Stücken zusammen, die im Sommer 2014 entstanden. Sie decken das musikalische Spektrum, in dem sich Lucchi üblicherweise bewegt, exemplarisch ab.